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2. Spiezer KMU Treffen 29. Januar 19

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Kontroverse Diskussionen über Standortattraktivität

Wie sich der Wirtschaftsplatz Spiez für die Zukunft rüstet

Am zweiten KMU Treffen Spiez waren über 140 Vertreterinnen und Vertreter der lokalen Wirtschaft, Politik und Verwaltung vertreten. Im Zentrum der Referate stand die Standortattraktivität. Was ein Standort wirtschaftlich attraktiv macht, zeigt sich nicht nur anhand messbarer Indikatoren. Wie wäre es beispielsweise mit einem Glücksindex?

Jolanda Brunner, Gemeindepräsidentin Spiez, eröffnete das zweite KMU Treffen Spiez mit der Präsentation der Aktivitäten der Gemeinde zur Stärkung der lokalen Wirtschaft. Mit der Gründung der Anlaufstelle Gewerbe wurden die Massnahmen gebündelt und sichtbar gemacht. Gemeinsam mit dem Gewerbeverband Spiez und der Spiez Marketing AG nimmt die Gemeinde Spiez eine Vorreiterrolle im Einsatz für einen aktiven Wirtschaftsstandort ein. Weiter präsentiert die Gemeindepräsidentin den Stand Bauland. Sechs Interessenten stehen im Austausch zur gemeinsamen Entwicklung des Baulandes Lattigen. Das Gewerbebauland ist grosszügig, zentral und für arbeitsplatzintensive Produktions- und Dienstleistungsbetriebe zugelassen. Die Burgergemeinde Bern hat letzte Woche bekannt gemacht, dass sie das Areal neben der Landi Spiez ebenfalls weiterentwickeln will. Interessierte dürfen sich gerne direkt bei Jolanda Brunner melden.

Spiez will sich für die Zukunft rüsten
Jolanda Küng von der Anlaufstelle Gewerbe Spiez erläuterte die Teilnahme der Gemeinde am Mobi-Forum. In den Innovationsworkshops vom Mobi-Forum Thun sollen Geschäfts-, Produkt- oder Dienstleistungskonzepte optimiert werden. Mit professioneller Moderation und in einem kreativen Umfeld werden für einmal anstelle neuer Produkte für Unternehmen, Ansätze zur Standortförderung einer Gemeinde generiert. Das Ziel sind drei bis vier konkrete Prototypen zu entwickeln, die die Zukunft von Spiez gestalten. Die Teilnehmenden, bestehen aus rund fünfzehn Vertreter aus Politik und Wirtschaft, widmen sich während zweieinhalb Tage der Zukunft von Spiez.

Logiernächterekord als Wertschöpfungstreiber
Der Spiezer Standortmarketingchef Stefan Seger visualisiert die Zunahme der Logiernächte in Spiez und erläutert die Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft. Die Ausgaben der Touristen im Jahr 2010 betrugen rund CHF 20’229’300.—. Im Jahr 2018 betragen sie rund CHF 32’848’837.—. Die touristische Wortschöpfung verzeichnet damit einen Zuwachs von über 60 %. «Tourismus ist ein verlässlicher und wachsender Wirtschaftszweig. Eine nicht unerhebliche Anzahl Menschen in Spiez arbeiten in Tourismusunternehmen und tourismusnahen Unternehmen». Eine weitere positive Meldung verkündete Seger über die Auslastung der Betten. Im Jahr 2010 zählte Spiez 726 Betten, heute sind es noch 702 Betten. Die Auslastung konnte aber von 35.5% auf 46% gesteigert werden. Mit weniger Betten wurden also über 30'000 Logiernächte mehr generiert. Aufgrund des erneuten Logiernächtrekordes könnte man vermuten, dass die Zunahme der Wertschöpfung vor allem von den gestiegenen Übernachtungsgästen getrieben ist. Dem ist aber nicht so. Auch die Tagesgäste sind für die gestiegene Wertschöpfung verantwortlich. Rund 1/3 der Wertschöpfung stammen aus den Ausgaben der Tagesgäste. Eine Herausforderung in der Auslastung bleiben die Monate November bis Februar. Hier setzt die Spiez Marketing AG gemeinsam mit den Partnern TOI und TTST künftig auf die Akquise von Seminar-, Kongress- und Messeveranstalter.

Wo wird noch etwas produziert und nicht nur Dienst geleistet oder verwaltet?
Der Key-Note Speaker Martin Neff, Chefökonom der Raiffeisen Gruppe, zeigte die Kehrseite der gängigen Rankingmethoden zum Vergleichen der Standortattraktivität auf. Global wird versucht, die Wettbewerbsfähigkeit zu messen und diese als Indikator für die Wirtschaftskraft zu nutzen. Neff hinterfragt jedoch den Fokus auf Wachstum, Innovation und der Marktführerschaft und macht sich für alternative Messsysteme stark. Wäre ein «Nationaler Glücksindex» oder das «Bruttonationalglück» nicht aussagekräftiger für das Wohlergehen einer Gesellschaft? Dem Standort Spiez gibt Neff den Rat, sich auf die Qualität zu fokussieren. Wieso leben die Bewohner gern in Spiez? Warum besuchen Touristen Spiez? Woran fehlt es in Spiez am meisten? Martin Neff legt Spiez weiter ans Herz, das verarbeitende Gewerbe zu fördern: Wo wird noch etwas produziert und nicht nur Dienst geleistet oder verwaltet? Vor ketzerischen Aussagen schreckte Neff nicht zurück. So warf er der Politik in Globo vor, mit ihrem Ideenreichtum selten zur Wohlstandssteigerung beizutragen. Auch zeigte er sich kritisch gegenüber kleinräumigen Standortmarketingaktivitäten. Der Logiernächterekord sein nur möglich, weil Spiez als Umlandgemeinde vom Jungfraujoch profitiere.


Natürlich, dennoch muss die Chance ja auch zuerst erkannt und gepackt werden. Und dass Leuchttürmer eine wichtige Rolle spielen, ist bekannt. Das Referat von Neff war ein spannender und kontroverser Anstoss für die anschliessenden informellen Gesprächen. Denn von der Platttform als Nährboden für eine gute Vernetzung und den Ideenaustausch wurde im Nachgang der Referate rege Gebrauch gemacht.

 
 

Medienmitteilung vom 2. KMU Treffen Spiez

Zur Medienmitteilung vom 30. Januar 2019